E-Nomaden

Es ist kühl, bis die Morgensonne über die Felsen zu uns hinabgekletterst ist. Dann ist unser Lager im Flussbett der schönste Frühstücksplatz überhaupt. Nach knapp drei Stunden (inkl. Fotopausen) erreichen wir den Ort Foum Zguid und beziehen ein Nomadenzelt auf einem Campingplatz. In der Mittagshitze herrscht Tranquilité an diesem friedlichen Ort. Ich ziehe mich mit Rechner und hunderten von Fotos auf die mit Tüchern überdachte Terrasse zurück während Sebastian mit dem Bus nach Ouarzazate aufbricht um das Auto zu holen – eine Story für sich:

 

Die Erlebnisbusfahrt (von Sebastian Plog)
Um 15:00 sollte der Bus von Foum Zguid nach Quarzazate losfahren. Ich stand also um 14:55 gegenüber des Haltepunktes. Da ich auch um 15:15 Uhr weder einen Bus noch Fahrgäste erspähen konnte fragte ich bei einem „Gastronomen“ nach. Seine beschwichtigenten Handbewegungen waren wohl so zu deuteten dass der Bus „schon noch kommt“. Kurz darauf bog er auch schon laut hupend um die Ecke und stoppte schließlich in seiner eigenen Staubwolke. Menschen sprangen heraus, die Gepäckklappen wurden aufgerissen und allerhand Ladung ent- und verladen, unter anderem 2 abgefahrene Bus/LKW-Reifen und sechs grosse Ölfässer.

Auf meine Frage nach einem Ticket, wurde ich an einen älteren Herren verwiesen, der in Deutschland, seiner Erscheinung nach zu schließen, schon seit 20 Jahren seinen Ruhestand genießen würde. Nach circa 10-maligen wiederholen hatte er mein Fahrziel verstanden und ich ein Ticket für meine 210 km lange Fahrt erworben. Kostenpunkt 450 Dirham (ca 4,50 EUR). Die nächsten 20 Minuten tat sich wenig, dann tauchte der Busfahrer wieder auf und alle Passagiere hatten nach mehrfachen Hupen ihre Plätze eingenommen. Der nicht mehr ganz taufrische MAN Bus setzte sich mit einer schon ziemlich verschlissenen Kupplung ruckelnd in Bewegung, um nach 400 m gleich wieder zu stoppen und einige Kartons, die am Strassenrand standen, einzuladen. Dies sollte sich noch häufig wiederholen, mal waren es Eimer, Säcke, weitere Kartons oder sonstige Ladung. Die meisten Mitreisenden fuhren auch nur ein paar Stationen mit. Obwohl ich frisch geduscht war, wollte neben mir irgendwie niemand Platz nehmen …

Flott unterwegs erreichte der Bus auf den Geraden der ein bis eineinhalbspurigen Strasse durch die sehr hügelige Landschaft des Antiatlas Spitzengeschwindigkeiten von 125 km/h. Schwitz …

Wir stoppten an einer Tankstelle wo die besagten Fässer entladen wurden und der Begleiter einige Scheine die er immer schön gefaltet und sortiert zwischen den Fingern hielt gegen Diesel tauschte. Dieser Mann kassierte auch das Geld von den Passagieren, handelte die Frachtpreise aus und wusste immer wo welche Ladung aufgenommen bzw. wieder abgeliefert werden musste. Die restliche Zeit war er damit beschäftigt, das eingenomme Geld zu zählen.

In Tazenakht, dem Ort mit den vielen Teppichläden, mal wieder eine halbstündige Pause ein. Am nächsten Haltepunkt war die Überraschung groß – Hamid, der Teppichhändler vom Vortag, stieg ein und nahm sogleich freudestrahlend neben mir Platz.

Nach einem kurzen woher und wohin hatte er einen Auftrag für mich. Er gab mir Geld – ich sollte bei Dimitris Supermarkt in Ouarzazate zwei Flaschen Rotwein besorgen und ihm auf meiner Rücktour vorbeibringen. Auf meine Frage ob Dimitri den am Freitag geöffnet habe, erhielt ich nur die Antwort: „Dimitri hat immer offen.“

Ich sollte auch schon bald erfahren warum. In Ouarzazate angekommen war mein erstes Ziel der Supermarkt. In dem für hiesige Verhältnisse sehr großen Laden bot sich mir ein seltsames Schauspiel. Die langen Gänge waren menschenleer aber in einer Ecke an einem langen Tresen mit vielen Vitrinen drängten sich ungefähr 80 Männer. Als ich näher kam konnte ich auch den Inhalt der Vitrinen erkennen, angefangen von Bier, Wein, diversen Mixgetränken und Hochprozentigem. Sämtliche Alkoholika waren im Angebot was in arabischen Ländern eine Ausnahme ist. Wie immer wurde auch hier wild gestikuliert und disskutiert, aber schließlich verließ jeder den Supermarkt mit einer dunklen Tüte flüssigen Inhalts. So auch ich mit meinen zwei Flaschen marokkanischem Rotwein.

In Anezal bei Hamid angekommen wollte ich eigentlich nur die zwei Flaschen abliefern und auch gleich weiter. Daran war bei der Einladung zu einer vorzüglichen Tagine (traditionelles Fleisch/Gemüsegericht aus speziellen Tontöpfen) nicht zu denken. Der marokkanische Rotwein, den Hamid gleich dazu anbot, schmeckte gar nicht schlecht. Für mich rundeten einige Gläser Tee den Abend ab, für Hamid der Rest der Flasche …

Fahrdaten:
Strecke: Flussbett > Foum Zguid
Gefahrene Kilometer: 50,7 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 25 km/h
Akku: 12 Ah

06. März 2011 von Susanne Brüsch
Kategorien: Blog | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


CAPTCHA-Bild

*