Härtetest für Motor und Material | Tour de Sahara

Härtetest für Motor und Material

Wir verlassen Ouarzazate auf ein Neues Richtung Foum Zguid. Der Gegenwind ist kaum schwächer als gestern, immerhin bleibt der Sand am Boden. Die extrem schlechte Asphaltstraße schlängelt sich kilometerweit bergauf mit teilweise Steigungen bis 14%. Unermüdlich zieht der Motor die voll beladenen Räder samt Hänger mit 80 bzw.100kg Gewicht bergauf ohne je wegen Überhitzung abzuschalten. Lediglich eine geringe Erwärmung ist beim Anfassen des Motorgehäuses zu spüren – und das unter härtesten Bedingungen. Ein großes Lob an GoSwissDrive und das deutsche Entwicklerteam von Ludger Sommer!

Wenngleich die Last des Hängers am Berg deutlich zu spüren ist und die Geschwindigkeit auf steilen Etappen auf 10km/h verlangsamt, so rollt er in weniger bergigem Gelände leuchtläufig und fast unmerklich mit. Bei nicht optimalem Sonneneinfallwinkel lädt das mVelo Ladegerät von Sunload im Schnitt mit 45 Watt. Das bringt uns 50-70% der benötigten Energie, um die Batterien zu laden.

Konzipiert wurde der Hänger eigentlich für ebene, gute Asphaltstraßen gen Süden, wie die ursprüngliche Strecke durch Ägypten verlaufen wäre. Die zum Teil bergigen Strecken in Marokko dagegen bringen das Material an ihre Grenzen.

Nach den Erfahrungen der beiden ersten Tage mit Hänger durch bergige Gegend möchte ich resümieren, dass der Einsatz eines solchen Hängers in flachem Terrain ohne zuverlässige anderweitige Stromversorgung absolut Sinn macht. In bergigem Gelände mit gesicherter Stromversorgung ist der Einsatz eher fragwürdig, da der Bonus des E-Antriebs am Berg durch das Gewicht des Hänger verloren geht. Der größte Pluspunkt des Anhängers auf unserer Reise durch Marokko liegt in der Aufmerksamkeit, die uns überall sicher ist.

Die steilste Bergetappe für heute ist geschafft – vor uns eröffnet sich eine gigantische Ebene, die am Horizont durch die schneebedeckten Atlasberge gesäumt ist. Unser Weg führt hinunter in die Ebene.

Mitten auf der Straße hält uns der Vizepräsident der Region Akka, Boujemar Tadoumannt, an und zeigt großes Interesse an der Technik und unserem Projekt. Bei der Durchreise sollen wir ihn doch in Akka besuchen.

Etwas später passieren wir eine Tankstelle, die einem Hippiecamp gleicht. Im nächsten Dorf kaufen wir im einzigen Shop, der kaum als Laden erkennbar ist, Chubs fürs Abendessen. Auch der Verkäufer interessiert sich für unser Gefährt.. In Anezal, dem nächsten größeren Ort empfiehlt er uns eine Herberge.

Es ist dunkel, als wir dort ankommen. Am Ortseingang steht ein Mann in Djellabiah (traditionellem Umhang) wie wenn er uns schon erwartet hätte. Wir suchen eine Herberge – „c’est moi“, entgegnet er und führt uns über die Hauptkreuzung des Ortes, die sich am nächsten Morgen als regionaler Warenumschlagsplatz erweist. Der Essraum der Herberge ist dann ein viel frequentierter Ort. An diesem Abend ist es ruhig. Wir sind die einzigen Übernachtungsgäste. Hamid, unser Gastgeber, leistet uns bei Chubs und Datteln Gesellschaft und trägt den Tee zum Dinner bei. In den TV Nachrichten zeigen sie Aufstände aus Lybien. Auf unsere Frage, wie er die Situation in Marokko sieht, meint auch Hamid, dass das Land politisch stabil sei, weil die Menschen wohlhabender seien als in den anderen Sahara-Ländern.

Er selbst ist Teppichhändler und wie zu erwarten endet der Tag mit einer Einladung in sein Geschäft in Tazenakht, das auf unserer nächsten Tagesetappe liegt.



Fahrdaten:

Strecke: Ouarzazete > Anezal
Gefahrene Kilometer: 78
Reichweite:
1. Akku (16Wh) 28km bei starkem Gegenwind, Steigungen 5-8% und 95-115 kg Last
2. Akku (12Wh) 30km kaum Wind, weniger Steigung, aber miserabler Straßenbelag
3. Akku (12 Wh) wurde nicht leer gefahren
Alles mit ca. halber Kraft

27. Februar 2011 von Susanne Brüsch
Kategorien: Blog | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


CAPTCHA-Bild

*