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Blog berichtet von Pedelec-Reise durch Marokko

Im Februar 2011 durchquerten Fachjournalistin Susanne Brüsch und Elektrorad-Händler Sebastian Plog die grandiose Berg- und Wüstenwelt Marokkos mit S-Pedelecs und Solaranhänger. Wo Autos ihre Härtetests bestehen, wollten sie zeigen, was mit E-Mobilität möglich ist. Auf rund 2000 Kilometern durch Atlas und Sahara stellte das testerfahrene Team die Prototypen der Marke „Snaky“ und die solare Ladetechnik auf eine harte Bewährungsprobe und begeisterten die Einheimischen. Ein Bericht aus Marokko – Kommentare willkommen! (Wer chronologisch lesen möchte beginnt mit dem untersten Artikel!)

06. März 2011 von Susanne Brüsch
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Iceland Challenge — das Pedelec Adventure 2013!

eflow through ice and fire

Von Marokkos Atlas und Sahara in die mongolische Steppe und nun ins nordische Island.

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Auf ihrer dritten Tour stellen die Gründer von Pedelec Adventures die Speed-Pedelecs der Marke eflow auf die Probe. Im Antlitz rauher Naturschönheit ist das diesmal vierköpfige Team von Mitte Juni bis Mitte Juli 2013 im urbanen Reykjavik, in den abgelegenen Nord-West-Fjorden und im unwegsamen Hochland unterwegs. Bei Wind und Wetter. In hellen Nächten… Filmpremiere auf der Eurobike in Friedrichshafen (28.-31.08.2013)!

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Iceland Challenge Tour Blog: ↗ www.iceland-challenge.com

…und natürlich auf ↗ Facebook und ↗ Twitter!

16. Juni 2013 von Susanne Brüsch
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Tour de Mongolia – ein neues Pedelec Adventure!

 

Auf den Spuren Dschingis Khans

Mit schnellen Pedelecs und Solaranhängern sind Susanne Brüsch und Ondra Veltrusky in der Mongolei unterwegs. Auf ihrer Expedition die einsame Gras-, Berg- und Wüstenlandschaft stellen die Gründer von Pedelec Adventures die moderne Antriebs- und Solartechnik auf eine harte Bewährungsprobe. Es bleibt spannend!

Tour Blog: www.tour-de-mongolia.com
twitter: twitter.com/#!/pedelecadv
facebook: https://www.facebook.com/PedelecAdventures

02. Juli 2012 von Susanne Brüsch
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Tour de Sahara erhält Auszeichnung

Die Tour de Sahara ist von vehiculosverdes.com, dem spanischen Online-Portal für E-Mobilität und dessen Produzenten Red Giga zu einem der spannendsten Projekte 2011 gekürt worden ist. Die Jury begründet ihre Wahl so (sinngemäß):

Das Projekt präsentiert Modelle aus praktischer Sicht. Mit großartigen Aufnahmen dokumentiert die Fachjournalistin und Pedelec Adventures Macherin Susanne Brüsch nicht nur ihre Erfahrungen mit der Technik, sondern untermalt diese mit spektakulären Landschaftseindrücken und Begegnungen mit Einheimischen. Ein Härtetest für die eingesetzten Pedelec-Modelle und technisches Zubehör welches den Einsatz erweitert.

Zum spanischen Artikel

07. Januar 2012 von Susanne Brüsch
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FAZIT: Technik besteht Härtetest

Auf dem Weg durch Marokkos Atlas und Sahara haben wir die bis 45 km/h schnellen Snaky-Pedelecs samt Solaranhänger 3 Wochen lang auf eine harte Probe gestellt: in der Stadt, im Gebirge, auf der Ebene. Geländepassagen über Piste, schroffere Cross Country Trails und Sand gehörten ebenso dazu wie ein (ungeplanter) Salzwassertest am Meer.

Nach insgesamt rund 2000 Kilometern (mit beiden Pedelecs zusammen) können wir sagen: die Technik hat sich unter härtesten Bedingungen ohne größere Probleme bewährt. E-Radeln mit Solartechnik funktioniert. Das haben Pioniere auch schon vor uns bewiesen. Unsere Tour war ein Experiment mit einem konkreten Nutzen: Die Technik in Vorserie zu testen um eventuelle Probleme vor der Markteinführung auszumerzen. Und um die Freude an neuer Mobilität zu transportieren, die jeder in seinen urbanen Alltag oder seine Freizeitaktivitäten im Grünen integrieren kann.

GO SwissDrive und Snaky auf Hollywood-Kurs

Nicht nur Hollywood hat sich den westlich wirkenden und doch arabisch geprägten Ort Ouarzazate auf der Südseite des Hohen Atlas als Schauplatz für zahlreiche Filmproduktionen ausgesucht. Die spektakuläre Kulisse, eine Art Delta aus Gebirge, Canyons und Wüste, war für uns ein idealer Ausgangspunkt zunächst die Snakys auf einer mehrtägigen Tour nach Süden zu testen und anschließend mit Solaranhänger nach Südwesten Richtung Atlantik zu fahren. (Mehr zur Strecke)

Die beiden Hardtail Mountainbikes mit dem in Deutschland entwickelten und in der Schweiz produzierten GO SwissDrive Antrieb waren die ersten Prototypen der Marke „Snaky“. Sie haben sich während der Tour de Sahara als ausgezeichnete Reisegefährte erwiesen – zuverlässig, stabil und leichtläufig. Der Motor zeigte besonders an den Bergetappen und im Gelände sein Können. Selbst an 14 prozentigen Anstiegen zog er uns unter Mittreten mit über 100kg Last, auf schlechtem Asphalt und bei Gegenwind immerhin noch mit etwa 10 km/h bergauf. Selbst unter dieser hohen Belastung entstand kaum Wärme. In schwierigerem Gelände fiel beim Spiel mit Pedalen, Bremsen und Gängen besonders auf, dass der Antrieb prompt und in absoluter Harmonie mit der Muskelkraft einsetzt. Nicht ein einziges Mal hatten wir das Gefühl, die Kontrolle über das Rad zu verlieren was im Gelände schnell passiert wenn der Motor verzögert ein- oder aussetzt.

 

Solaranhänger liefert Strom

Die von der Firma Altec speziell für die Tour de Sahara entwickelten Solaranhänger lieferten mit je etwa 1,5 Quadratmetern Solarfläche 50-70% des Stroms den wir für die etwa 600km lange Strecke von Ouarzazate nach Guelmim benötigten. Bei nicht optimalem Sonneneinfallwinkel luden die kleinen, leichten mVelo Reiseladegeräte der Berliner Firma Sunload mit rund 45 Watt. Somit brauchten unsere 572Wh Lithium-Eisen-Phosphat Batterien (16Ah, 36V) weit über 10 Stunden für eine volle Ladung. Den Rest luden wir über Nacht an der Steckdose auf, wo wir ebenfalls die gleichen Multifunktions-Ladegeräte verwendeten.

Die Last des Hängers von ca. 45kg Eigengewicht, plus 16kg Batterien, plus 12kg Ersatzmotoren in den Radnaben des Hängers (in Sebastians Fall), plus ca. 28kg Gepäck war am Berg deutlich zu spüren und verlangsamte die Geschwindigkeit auf steilen Etappen auf etwa 10km/h. Bergab schafften wir bis zu 60 km/h. Die leichtläufigen Hänger lagen dabei weitgehend ruhig auf der Straße. Der mit Ballonreifen gefederte Hänger überstand auch die schnellen Downhills ohne Probleme. Sebastians Hänger mit den Ersatzmotoren war mit den Schwalbe Marathon Extreme Reifen ausgestattet um im Fall eines Motorausfalls einfach das komplette Rad wechseln zu können. Wir vermuten, dass aufgrund der geringeren Federung eine Schweißnaht der Belastung nicht stand hielt. Am Fahrrad selbst machten die Marathon Reifen ihrem Namen alle Ehre. Selbst sandigen Untergrund meisterten sie mit Gripp.

Für die einfach zu handhabenden Kupplungen der Weber Technik GmbH, die eigentlich auf 80 kg ausgelegt sind, waren die über 100kg Hängergewicht kein Problem.

Unsere Erfahrungen in Marokko zeigten: Der Einsatz eines Solaranhängers in flachem Terrain ohne zuverlässige anderweitige Stromversorgung ist ein Gewinn an Reichweite und Unabhängigkeit. Fürs Hochgebirge war der Hänger jedoch nicht gedacht sondern vielmehr für ebene, gute Asphaltstraßen nach Süden (wie die ursprünglich geplante Tour durch Ägypten verlaufen wäre). In den Bergen ging unter den gegebenen Voraussetzungen der Bonus des E-Antriebs durch das Gewicht des Hänger verloren.

Altec arbeitet bereits an einer neuen Hängergeneration, die deutlich leichter wird und damit auch in bergigen Gegenden ohne ausreichende Stromversorgung gut eigesetzt werden kann. Durch flexible Solarzellen, nur 2 Akkus und ohne Ersatzmotoren sollte das Gewicht auf 22kg zu reduzieren sein.
Gewicht hin oder her, mit den Solaranhängern war uns jedenfalls überall die Aufmerksamkeit der Einheimischen und Reisenden gewiss!

 

Reichweite bis 90km

Reichweiten sind immer sehr individuell. Sie hängen unmittelbar mit dem Terrain und anderen Fahrbedingungen wie Windverhältnissen, Zuladung etc. zusammen. Nicht zuletzt ist die Motorunterstützung entscheidend. Wir fuhren meistens mit halber Motorkraft um auf langen Tagesetappen mit Batterie bis ans Ziel zu kommen. Gelang dies einmal nicht, wurde uns jäh klar wie mühsam das Fahren ist wenn man sich einmal an mindestens die doppelte Wattzahl gewöhnt hat.
Mit einer vollen 572Wh Batterie – ein 6,3 kg schwerer Klotz – schafften wir mit Solarhänger etwa 50km mit halber (völlig ausreichender) Motorkraft. Davon ging es ca. 10 km bergauf. Ohne Anhänger brachte uns derselbe Akku bei 25 km bergauf 90 km weit.

 

Ideale Reisegefährte(n)

Das tolle an S-Pedelecs: Sie erweitern den Aktionsradius enorm. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Trekkingrad waren wir mit den Snaky S-Pedelecs im Schnitt 8-10 km/h schneller bei einer Reisegeschwindigkeit von um die 30 km/h (auf mehr oder weniger ebenem Terrain). Strecken von 150 – 200 km pro Tag sind (ohne zu viele Fotopausen) durchaus machbar. Beim Anfahren und auf Bergetappen mit viel Gepäck erleichtert einem der Antrieb enorm das Leben! Damit macht ein S-Pedelec sein zusätzliches Gewicht allemal wett (in unserem Fall ca. 12kg)

Nicht zur für Trekking sondern auch im urbanen Bereich haben die Snaky Pedelecs mit dem GO SwissDrive Antrieb sehr viel Spaß gemacht. In den Millionenstädten Casablanca, Marrakesch und Rabat konnten wir im Verkehr nicht nur mitschwimmen sondern gewannen regelmäßig Ampelsprints selbst gegen Autos und Motorroller.

 

Bewährt

Als gute und formschöne Radreise-Ausstattung haben sich auch die Packtaschen von Ortlieb erwiesen. Sie boten nicht nur viel Stauraum sondern schützten Gepäck und Fahrbatterie zuverlässig vor Sand und selbst vor Meerwasser. Regenerfahrung konnten wir in Marokko keine sammeln …

Phantastisch ist das Tragegestell des Ortlieb AirFlex 11Radrucksacks, in dem ich 13″ Laptop und Nikon D700 Kamera tagelang ohne Schulterschmerzen transportierte. Als Ergänzung zu Satteltaschen oder für Tagestouren ist der handliche, leichte Rucksack prima. Dinge, die man schnell zur Hand haben möchte sind in der wasserdichten Lenkertasche gut untergebracht. Daran lässt sich in einer speziellen Hülle auch eine Reisekarte immer sichtbar verstauen.

Die Vision Four Stirnlampen von Hope mit sehr leistungsfähigen Varta-Akkus waren heller als die Autos auf Marokkos Straßen. Vier Helligkeitsstufen sind auch für den nächtlichen Geländeeinsatz ausreichend.

Für all diejenigen, die „ihr Gehirn lieben“ bieten die Nutcase Helme nicht nur einen Kopfschutz sondern auch einen Blickfang.

 

Ganz nah dran

Aus dem Auto zu steigen empfanden wir besonders in den ärmeren Gebieten Zentralmarokkos als unangenehm, da einem sofort der Stempel des reichen West-Touristen anhaftet. Saßen wir dagegen verschwitzt und staubig (aber glücklich!) auf dem Rad, hatten wir zu den Einheimischen einen viel direkteren Zugang. Die Solaranhänger machten uns zur Sensation. Immer wieder wurden wir angehalten, fotografiert, ausgefragt und hätten die Snakys samt Hänger mehrmals verkaufen können. So auch dem Vizepräsidenten der Region Akka in Zentralmarokko, der uns die marokkanische Gastfreundschaft in vollen Zügen entgegenbrachte. Ein kopfschüttelndes „Crazy Germans“ war eine eher seltene Reaktion.

26. April 2011 von Susanne Brüsch
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Präsentation auf der LEV Konferenz in Taiwan

Am 15. März stellte Susanne Brüsch die  Tour de Sahara auf der LEV Konferenz 2011 in Hsinchu in Taiwan einem internationalen Publikum vor. Die 20-minütige Präsentation weckte Neugier, Interesse und Begeisterung für die „Pedelec Adventures“ Idee. Die Tour de Sahara war das erste Abenteuer. Auch auf der Taipei Cycle Show, die vom 16. – 19. März 2011 in Taiwans Hauptstadt stattfand, gab es viel positives Feedback für das Pedelec Adventure Projekt––ein Go für weitere  Touren!

Präsentation auf der LEV Konferenz 2011 in Taiwan zum Download (Englisch, 11 MB)

Mehr zur LEV Konferenz und zum Programm: www.levconference.org

23. März 2011 von Susanne Brüsch
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Off-Road und On-Shore Test

Bei angenehm sommerlichen Temperaturen starten wir den bisher härtesten Test für die Snaky-Pedelecs. Unsere Rundtour zum Plage Blanche und zurück zum Fort Bou Jeriff beinhaltet über 63 Kilometer Piste. Zum Teil ist diese straßenähnlich, zum Teil ist sie eher ein schroffer Cross Country Trail.

Auf kurzen felsigen Steigungen und Gefällen bis zu 16% zeigt der GoSwiss Drive Antrieb was er wirklich kann: Beim Spiel mit Pedalen, Gängen und Bremsen harmoniert er so perfekt mit der Muskelkraft, dass man tatsächlich nur den gewollten Effekt spürt: mehr Power. Kein verzögertes Ein- oder Aussetzen, was viele Pedelecs für den härteren Offroad-Einsatz untauglich macht.

Entlang der Steilküste, die von einfachen Behausungen gesäumt ist, schlängeln wir uns den Trail entlang zum Plage Blanche.

Am Strand wartet die nächste Herausforderung. Auf Sand zu fahren gestaltet sich auch mit einem S-Pedelec schwierig, aber man hält länger durch als mit einem non-elektrischen Mountainbike. Als die Räder vor der Meerkulisse für Fotos posen, kommt was kommen musste – eine große Welle … So stellen nicht nur die Ortlieb-Taschen, sondern auch der Antrieb ihre Wasserresistenz unter Beweis. Wir können problemlos weiterfahren und die Kleider in den Satteltaschen zeigen keine Spur von Feuchtigkeit.

Die letzten 9 Kilometer Piste, die wir am Tag zuvor schon von der Hauptstraße zum Fort Bou Jeriff gefahren waren legen wir heute in der Dämmerung und das letzte Stück im Dunkeln zurück. Dabei leistet uns das helle Licht der Varta-Lampen beste Dienste.

So könnte die Tour de Sahara noch wochenlang weitergehen. Aber leider ist es Zeit, die Rückfahrt anzutreten. Mit den Snaky-Pedelecs zu reisen und die Solartechnik zu erproben hat riesigen Spaß gemacht.

Fahrdaten:
Strecke: Fort Bou Jeriff > Plage Blanche > Fort Bou Jeriff
Gefahrene Kilometer: 94,5km, davon 63,4km Piste und cross country
Akkus: 2 x 12Ah

10. März 2011 von Susanne Brüsch
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Luxus-Camping am Fort Bou Jeriff

Über asphaltierte Hauptstraßen und 9 Kilometer Piste erreichen wir die die luxeriöse Fort Bou Jeriff Unterkunft, ein Prunkstück, das inmitten der hügeligen mit Kakteen bewachsene Landschaft plötzlich wie aus dem Nichts auftaucht. Es liegt in unmittelbarer Nähe der 1935 erbauten Festung der ehemaligen französischen Fremdenlegion Fort Bou Jeriff. Die heutige Ruine diente als Inspiration für die festungsähnliche Ferienanlage. Mr. Pierre, der Inhaber aus Frankreich hat für Naturfreunde hier ein gediegenes Motel mit Wohnwagenstellplätzen und feinem Restaurant erbaut. Auch Camping ist möglich, im eigenen Zelt oder in vorbereiteten Jurtenzelten, die sehr gemütlich sind.


Doch bevor wir uns heimisch niederlassen, und ein Dinner vom Feinsten mit Kamelfleisch zu uns nehmen, lockt die Festung als Fotokulisse …

 

Fahrdaten:
Strecke: Guelmim > Fort Bou Jeriff
Gefahrene Kilometer: 48km (9km Piste)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 19,2 km/h
Akkus: 12Ah

09. März 2011 von Susanne Brüsch
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Dem Atlantik entgegen

Von Akka machen wir uns auf den Weg gen Westen nach Guelmim. Dies sind die letzten zwei Tagesetappen, die wir mit Anhänger fahren. Die einspurige Straße führt an bizarren Felsformationen und vereinzelten Sanddünen vorbei. Eine kleine Oase mit saftigem Grün bietet eine Augenweide in der sonst kargen Landschaft. Später säumen Buschgewächs und Kakteen den Straßenrand. Vor Guelmim bewältigt das Gespann noch einmal Steigungen von 6-8 % bevor wir in die Stadt einfahren. Ein Obststand lockt mit frischen Orangen, doch dem Händler scheint das Beten wichtiger zu sein als Früchte zu verkaufen – jedenfalls in diesem (laaangen) Moment.

Fahrdaten:
Strecke: Akka > Guelmim
Gefahrene Kilometer: 225 (an 2 Tagen)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 28,2 km/h
Akkus: 2 x 16Ah und 3 x 12Ah

08. März 2011 von Susanne Brüsch
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Streifzug durch das Leben Zentralmarokkos

Der Tag beginnt mit französischen Frühstück im Hotel La Rennaisance. Ein großzügiger Bau mit farbenfrohen Laternen und bunt im arabischen Stil gekachelten Wänden. Die Zimmer sind einfach. Auf der Terasse zusammen mit in kurzen Hosen und Trägershirt gekleideten Touristen, die sich übers iPhone mit Musik beschallen lassen, fühlen wir uns seltsam fernab vom wirklichen Leben in Tata. Höchste Zeit, für einen kurzen Stadtbummel bevor wir Richtung Akka aufbrechen. Viele kleine Restaurants die Tagine und andere traditionelle Leckerbissen anbieten säumen die belebte Hauptstrasse genau so wie kleine Läden, die bis in den letzten Winkel mit Konserven, CocaCola, einheimischem Tee, Gebäck und Getränken vollgestopft sind. Händler, die Gewürze aus großen Säcken anbieten, oder Kleidung und Schuhe, vermutlich made in China. Dazwischen bieten mehrere Intenetcafés mit Pulten und PCs der frühen Generation Internetzugang an.

Auf der Straße scharen sich die Menschen in Kreisen, halten Schilder in die Höhe und rufen in Sprechchören ihre Forderungen – nach Arbeit, wie wir uns sagen lassen. Es geht friedlich zu, Polizei ist kaum zu sehen.

Nach Akka sind es 60 Kilometer durch felsige Wüstenlandschaft – eine einzigartige Mischung aus Berg- und Sandwelten wo Atlas und Sahara aufeinander treffen.

In Akka, dem ehemaligen Handelszentrum Südmarokkos und ein obligatorischer Stopp jeder Handelskarawane treffen wir den Vizepräsidenten der Region, Boujemar Tadoumannt. Er hatte uns vor ein paar Tagen mitten auf der Straße angehalten und wollte mehr über die Solartechnik wissen. Wahrscheinlich hätten wir ihm schon mitten auf der Straße irgendwo im Niemandsland die Solarzellen samt Elektrorad verkaufen können. Wir folgen seiner Einladung nach Akka, wo er für den Aufbau städtischer und touistischer Infrastruktur zuständig ist. In seinen Verantwortungsbereich fallen auch die umliegenden Regionen Tata, Guelmim, Tantan.

Mit großem Interesse lässt er sich alles zeigen – Snaky, die Solarzellen, die Batterien, die Ladegeräte. Er will genau wissen wie alles funktioniert. Fotos willkommen. Nebenbei zeigt er uns Versteinerungen aus der Region – 3000 Jahre alte Fossilfunde.

Im Zentrum des beschaulichen Örtchens nahe der algerischen Grenze führt er uns in ein Café ganz im einheimischen Stil: Hinter dem Tresen mit großer CocaCola Werbung, bietet ein freundlich lächelnder, einzahniger Mann Chubs, französischen Schmelzkäse, Konserven, Nescafé, Aprikosenmarmelade, Fischdosen und Süßgebäck im westlichen Stil an und was sich sonst noch alles in den vollen Regalen hinter ihm anfindet. Der Raum ist mit schönen grau-blau gemusterten Kacheln ausgekleidet und mit einfachen Plastiktischen bestückt um die abgenutzte Metallstühle stehen. An der Wand hängt neben dem Bild des Königs Mohammed V ein Poster, das in 8 Schritten zeigt, wie man richtig betet und die Hände wäscht. Den obligatorischen Fernseher natürlich nicht zu vergessen. Zum Mittag gibt es gebratenes Ei, Kartoffelgemüse und Salat aus Tomaten, Zwiebeln und Olivenöl. Und natürlich Chubs (einheimisches Fladenbrot) dazu.

In völlig entschleunigter Atmosphäre sitzen hier die Bewohner bei 20°C in Pullover und Jacken, manche sogar mit Mützen. Sie sind 50 Grad im Sommer gewöhnt. Was sich für uns schon mehr als frühlingshaft anfühlt ist hier Winter.

Im einem Renault Kangoo, der offensichtlich schon eingige Kilometer jenseits befestigter Straßen hinter sich hat bekommen wir eine Führung zur angeblich größten Palmenoase Südmarokkos. Im August werden hier direkt bei Akka tonnenweise Datteln geerntet. Die süßen Früchte sind getrocknet ein Hauptnahrungsmittel der Einheimischen. Die Region Akka ist angeblich eines der größten Grundwasser-Reservate in Nord-Afrika.

Als Stätte von archäologischer Bedeutung gibt es in Akka ein Museum mit Funden aus der Steinzeit. Mit Stolz führt uns unser galanter Gastgeber die Schätze vor genau so wie den Propeller eines abgeschossenen algerischen Militärflugzeugs vor dem Museum.

Anschließend führt uns der Gentleman, der offensichtlich bei allen bekannt und geschätzt ist in seinen Heimatort naha Akka. Nach marokkanischer Tradition werden wir mit Eau de Toilette „getauft“, die 0,5 Liter Flasche findet anschließend ihren Platz auf dem kleinen Esstisch in der Mitte eines mit Teppichen ausgelegten, ansonsten bis auf den Fernseher leeren Raumes. Mit Datteln, Sauermilch und Wasser hält er den Brauch höchster Gastfreundschaft ab. Dazu gibt es Nüsse.

Übernachten dürfen wir im Gästehaus der Familie. Zwei große Salons sind für 200 Leute ausgelegt. Schlafzimmer sind reichlich vorhanden. Die Snakys „schlafen“ im Salon und bekommen Gesellschaft vom Mountainbike des 70-jährigen Familienangehörigen Abdallah Dounkhar. Vorsichtig lehnt er es an die Pedelecs …
Nur mit dem Strom hat das Haus so seine Probleme. Keine Fenster zum Schutz vor der sommerlichen Hitze. Aber das Licht funktioniert auch nicht. Kein Wunder, das Mr. Tadoumannt an Solartechnik interessiert ist!

An diesem Abend findet eine Hochzeit im Ort statt zu der uns unser Gastgeber mitnimmt. Die große Familienfeier war schon vor drei Tagen, heute ziehen die jungen Frauen trommelnd, singend und tanzend durch den Ort, holen die Braut am Hause ihrer Eltern ab und bringen sie zum Haus des Bräutigams.Mit vorsichtiger Zurückhaltung folge ich der lustigen Gesellschaft mit der Kamera bis immer mehr Mädchen vor der Linse posieren. Andere dagegen wollen nicht fotografiert werden.

Sie bleiben stehen, bilden einen Kreis und tanzen voller Enthusiasmus, ausgelassen. Die Brüder folgen und beobachten das Geschehen mit eher skeptischen Blicken vom Rande des Geschehens. Die meisten Mädchen tragen einen traditionellen Umhang mit Kopfbedeckung. ….. zieht ihren Umhang aus und gibt ihn mir. Ich solle ihn mal anziehen und mich als eine von ihnen fühlen. Als sie den Schleier abnimmt kommen wunderschöne lange Haare zum Vorschein, große Ohrringe und das bisher von buntem Stoff umrandete Gesicht entfaltet seine ganze Schönheit. Wir tanzen …

 

Fahrdaten:
Strecke: Tata > Akka
Gefahrene Kilometer: 69
Durchschnittsgeschwindigkeit: 29,5 km/h
Akkus: 16Ah

07. März 2011 von Susanne Brüsch
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Die Wüste hat uns wieder

Heute heißt es Kilometer machen. Von Foum Zguid nach Tata sind es 149km auf einspuriger, schlecht asphaltierter, wenig befahrener Straße. Hinter dem schon sehr afrikanisch wirkenden Ort Tissint mit überwiegend dunkelhäutigen Bewohnern erstreckt sich eine atemberaubende Canyonlandschaft: Eine karge, zerklüftete Einöde, die in eine Schlucht abbricht. Unten gibt es Wasser, Palmen und Nomadenzelte.

Die Straße geht wie es scheint den ganzen Tag leicht bergan und das Gespann läuft und läuft mit durchschnittlichen 27 km/h bei halber Motorkraft. Um zwei Hundeattacken zu entkommen schalten wir auf volle Leistung. Der Antrieb zieht gut ab und die Hunde bleiben bald jämmerlich zurück.

Tata ist ein netter Ort in dem sich Geschäftigkeit und Entspanntheit zu einer angenehmen Symbiose vereinen. Abgesehen von Wohnmobilisten, die sich auf einem gepflasterten Campingplatz zusammenpferchen gibt es kaum Touristen.

Fahrdaten:
Strecke: Foum Zguid > Tata
Gefahrenen Kilometer: 149
Durchschnittsgeschwindigkeit: 27,2km/h
Akkus: 16Ah, 2,5 x  12Ah

06. März 2011 von Susanne Brüsch
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E-Nomaden

Es ist kühl, bis die Morgensonne über die Felsen zu uns hinabgekletterst ist. Dann ist unser Lager im Flussbett der schönste Frühstücksplatz überhaupt. Nach knapp drei Stunden (inkl. Fotopausen) erreichen wir den Ort Foum Zguid und beziehen ein Nomadenzelt auf einem Campingplatz. In der Mittagshitze herrscht Tranquilité an diesem friedlichen Ort. Ich ziehe mich mit Rechner und hunderten von Fotos auf die mit Tüchern überdachte Terrasse zurück während Sebastian mit dem Bus nach Ouarzazate aufbricht um das Auto zu holen – eine Story für sich:

 

Die Erlebnisbusfahrt (von Sebastian Plog)
Um 15:00 sollte der Bus von Foum Zguid nach Quarzazate losfahren. Ich stand also um 14:55 gegenüber des Haltepunktes. Da ich auch um 15:15 Uhr weder einen Bus noch Fahrgäste erspähen konnte fragte ich bei einem „Gastronomen“ nach. Seine beschwichtigenten Handbewegungen waren wohl so zu deuteten dass der Bus „schon noch kommt“. Kurz darauf bog er auch schon laut hupend um die Ecke und stoppte schließlich in seiner eigenen Staubwolke. Menschen sprangen heraus, die Gepäckklappen wurden aufgerissen und allerhand Ladung ent- und verladen, unter anderem 2 abgefahrene Bus/LKW-Reifen und sechs grosse Ölfässer.

Auf meine Frage nach einem Ticket, wurde ich an einen älteren Herren verwiesen, der in Deutschland, seiner Erscheinung nach zu schließen, schon seit 20 Jahren seinen Ruhestand genießen würde. Nach circa 10-maligen wiederholen hatte er mein Fahrziel verstanden und ich ein Ticket für meine 210 km lange Fahrt erworben. Kostenpunkt 450 Dirham (ca 4,50 EUR). Die nächsten 20 Minuten tat sich wenig, dann tauchte der Busfahrer wieder auf und alle Passagiere hatten nach mehrfachen Hupen ihre Plätze eingenommen. Der nicht mehr ganz taufrische MAN Bus setzte sich mit einer schon ziemlich verschlissenen Kupplung ruckelnd in Bewegung, um nach 400 m gleich wieder zu stoppen und einige Kartons, die am Strassenrand standen, einzuladen. Dies sollte sich noch häufig wiederholen, mal waren es Eimer, Säcke, weitere Kartons oder sonstige Ladung. Die meisten Mitreisenden fuhren auch nur ein paar Stationen mit. Obwohl ich frisch geduscht war, wollte neben mir irgendwie niemand Platz nehmen …

Flott unterwegs erreichte der Bus auf den Geraden der ein bis eineinhalbspurigen Strasse durch die sehr hügelige Landschaft des Antiatlas Spitzengeschwindigkeiten von 125 km/h. Schwitz …

Wir stoppten an einer Tankstelle wo die besagten Fässer entladen wurden und der Begleiter einige Scheine die er immer schön gefaltet und sortiert zwischen den Fingern hielt gegen Diesel tauschte. Dieser Mann kassierte auch das Geld von den Passagieren, handelte die Frachtpreise aus und wusste immer wo welche Ladung aufgenommen bzw. wieder abgeliefert werden musste. Die restliche Zeit war er damit beschäftigt, das eingenomme Geld zu zählen.

In Tazenakht, dem Ort mit den vielen Teppichläden, mal wieder eine halbstündige Pause ein. Am nächsten Haltepunkt war die Überraschung groß – Hamid, der Teppichhändler vom Vortag, stieg ein und nahm sogleich freudestrahlend neben mir Platz.

Nach einem kurzen woher und wohin hatte er einen Auftrag für mich. Er gab mir Geld – ich sollte bei Dimitris Supermarkt in Ouarzazate zwei Flaschen Rotwein besorgen und ihm auf meiner Rücktour vorbeibringen. Auf meine Frage ob Dimitri den am Freitag geöffnet habe, erhielt ich nur die Antwort: „Dimitri hat immer offen.“

Ich sollte auch schon bald erfahren warum. In Ouarzazate angekommen war mein erstes Ziel der Supermarkt. In dem für hiesige Verhältnisse sehr großen Laden bot sich mir ein seltsames Schauspiel. Die langen Gänge waren menschenleer aber in einer Ecke an einem langen Tresen mit vielen Vitrinen drängten sich ungefähr 80 Männer. Als ich näher kam konnte ich auch den Inhalt der Vitrinen erkennen, angefangen von Bier, Wein, diversen Mixgetränken und Hochprozentigem. Sämtliche Alkoholika waren im Angebot was in arabischen Ländern eine Ausnahme ist. Wie immer wurde auch hier wild gestikuliert und disskutiert, aber schließlich verließ jeder den Supermarkt mit einer dunklen Tüte flüssigen Inhalts. So auch ich mit meinen zwei Flaschen marokkanischem Rotwein.

In Anezal bei Hamid angekommen wollte ich eigentlich nur die zwei Flaschen abliefern und auch gleich weiter. Daran war bei der Einladung zu einer vorzüglichen Tagine (traditionelles Fleisch/Gemüsegericht aus speziellen Tontöpfen) nicht zu denken. Der marokkanische Rotwein, den Hamid gleich dazu anbot, schmeckte gar nicht schlecht. Für mich rundeten einige Gläser Tee den Abend ab, für Hamid der Rest der Flasche …

Fahrdaten:
Strecke: Flussbett > Foum Zguid
Gefahrene Kilometer: 50,7 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 25 km/h
Akku: 12 Ah

06. März 2011 von Susanne Brüsch
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Im Reich der Teppiche

Das für die Gegend typische Frühstück besteht aus Chubs, Chay, exzellentem Olivenöl, Butter und Honig. Vor und in der Herberge in Anezal herrscht reges Leben als wir Snakys und Hänger zur Abfahrt rüsten. Ein jeder geht seiner Arbeit nach nicht ohne uns immer wieder interessierte aber zurückhaltende Blicke zuzuwerfen oder auch mal mit anzufassen.

Die Strecke hat es nach wie vor in sich. Abermals besteht der Antrieb einen Härtetest als wir uns mit halber Kraft (für mehr Reichweite) bei bis zu 14% Steigung auf den 1720m hohen Pass Tizi-n-Bachkoum hocharbeiten. Langsam aber stetig und ohne irgendwelche technischen Schwierigkeiten. Abwärts folgt uns der Hänger leichtläufig und spursicher bei bis zu 60 km/h.

Später stellen wir fest eine Schweissnaht an der Verbindung zwischen Bodengestell und Solardach angerissen war. Für solche Extrembelastungen war der Hänger auch eigentlich nicht gedacht. Wir stabilisieren die Stelle mit Klebeband und weiter geht die Fahrt – problemlos. Der zweite Hänger, der durch Ballonreifen gefedert war überstand die Bergetappen unbeschadet.

Nach 28 km erreichen wir Tazenakht, einen geschäftigen Ort mit vielen Teppichläden, Tagine-Restaurants und einem kleinen Markt, wo wir das Kilo Datteln für 1 Euro bekommen (in Marrakesch waren es 5 Euro).

Wir folgen der Einladung  von Hamid und finden uns im Nu in mitten wunderschäner, handgearbeiteter Teppiche wieder. Ein aus Kamelhaar und Schafwolle gewebter Umhang, den sie hier Djellabiah nennen, lässt mich gleich heimisch werden. Gegen ein paar Kamele hätte mich Sebastian gleich eintauschen können!

Während Hamids Mitarbeiter die Räder und Hänger im Eingangsbereich des Espace Zoukouni Shops bewacht, schenkt uns Hamit Chay ein und führt uns während eines sehr netten Gesprächs Teppiche in allen Farben und Größen vor. Ein kleines Geschäft macht er immerhin, zwar nicht mit Kamelen, auch nicht mit Teppichen aber mit dem Umhang, Schmuck und Keramik. Anschließend vermittelt er uns ein Mittagessen nebenan: Gemüsetopf mit Huhn – sehr lecker! Für die hier üblichen Provisionsgeschäfte lässt er gerne seinen Charme spielen.

Fahrdaten:
Strecke: Anezal > Tazenakht > Flussbett Richtung Foum Zguid
Tageskilometer: 68km
Akkus: 16Ah, 12Ah jeweils volle Ladung
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,9km/h
Motorunterstützung: Stufe 3-5 (von 10)

03. März 2011 von Susanne Brüsch
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Härtetest für Motor und Material

Wir verlassen Ouarzazate auf ein Neues Richtung Foum Zguid. Der Gegenwind ist kaum schwächer als gestern, immerhin bleibt der Sand am Boden. Die extrem schlechte Asphaltstraße schlängelt sich kilometerweit bergauf mit teilweise Steigungen bis 14%. Unermüdlich zieht der Motor die voll beladenen Räder samt Hänger mit 80 bzw.100kg Gewicht bergauf ohne je wegen Überhitzung abzuschalten. Lediglich eine geringe Erwärmung ist beim Anfassen des Motorgehäuses zu spüren – und das unter härtesten Bedingungen. Ein großes Lob an GoSwissDrive und das deutsche Entwicklerteam von Ludger Sommer!

Wenngleich die Last des Hängers am Berg deutlich zu spüren ist und die Geschwindigkeit auf steilen Etappen auf 10km/h verlangsamt, so rollt er in weniger bergigem Gelände leuchtläufig und fast unmerklich mit. Bei nicht optimalem Sonneneinfallwinkel lädt das mVelo Ladegerät von Sunload im Schnitt mit 45 Watt. Das bringt uns 50-70% der benötigten Energie, um die Batterien zu laden.

Konzipiert wurde der Hänger eigentlich für ebene, gute Asphaltstraßen gen Süden, wie die ursprüngliche Strecke durch Ägypten verlaufen wäre. Die zum Teil bergigen Strecken in Marokko dagegen bringen das Material an ihre Grenzen.

Nach den Erfahrungen der beiden ersten Tage mit Hänger durch bergige Gegend möchte ich resümieren, dass der Einsatz eines solchen Hängers in flachem Terrain ohne zuverlässige anderweitige Stromversorgung absolut Sinn macht. In bergigem Gelände mit gesicherter Stromversorgung ist der Einsatz eher fragwürdig, da der Bonus des E-Antriebs am Berg durch das Gewicht des Hänger verloren geht. Der größte Pluspunkt des Anhängers auf unserer Reise durch Marokko liegt in der Aufmerksamkeit, die uns überall sicher ist.

Die steilste Bergetappe für heute ist geschafft – vor uns eröffnet sich eine gigantische Ebene, die am Horizont durch die schneebedeckten Atlasberge gesäumt ist. Unser Weg führt hinunter in die Ebene.

Mitten auf der Straße hält uns der Vizepräsident der Region Akka, Boujemar Tadoumannt, an und zeigt großes Interesse an der Technik und unserem Projekt. Bei der Durchreise sollen wir ihn doch in Akka besuchen.

Etwas später passieren wir eine Tankstelle, die einem Hippiecamp gleicht. Im nächsten Dorf kaufen wir im einzigen Shop, der kaum als Laden erkennbar ist, Chubs fürs Abendessen. Auch der Verkäufer interessiert sich für unser Gefährt.. In Anezal, dem nächsten größeren Ort empfiehlt er uns eine Herberge.

Es ist dunkel, als wir dort ankommen. Am Ortseingang steht ein Mann in Djellabiah (traditionellem Umhang) wie wenn er uns schon erwartet hätte. Wir suchen eine Herberge – „c’est moi“, entgegnet er und führt uns über die Hauptkreuzung des Ortes, die sich am nächsten Morgen als regionaler Warenumschlagsplatz erweist. Der Essraum der Herberge ist dann ein viel frequentierter Ort. An diesem Abend ist es ruhig. Wir sind die einzigen Übernachtungsgäste. Hamid, unser Gastgeber, leistet uns bei Chubs und Datteln Gesellschaft und trägt den Tee zum Dinner bei. In den TV Nachrichten zeigen sie Aufstände aus Lybien. Auf unsere Frage, wie er die Situation in Marokko sieht, meint auch Hamid, dass das Land politisch stabil sei, weil die Menschen wohlhabender seien als in den anderen Sahara-Ländern.

Er selbst ist Teppichhändler und wie zu erwarten endet der Tag mit einer Einladung in sein Geschäft in Tazenakht, das auf unserer nächsten Tagesetappe liegt.



Fahrdaten:

Strecke: Ouarzazete > Anezal
Gefahrene Kilometer: 78
Reichweite:
1. Akku (16Wh) 28km bei starkem Gegenwind, Steigungen 5-8% und 95-115 kg Last
2. Akku (12Wh) 30km kaum Wind, weniger Steigung, aber miserabler Straßenbelag
3. Akku (12 Wh) wurde nicht leer gefahren
Alles mit ca. halber Kraft

27. Februar 2011 von Susanne Brüsch
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Solarhänger im Sandsturm eingeweiht

Inzwischen läuft der Rechner wieder und ich berichte rückblickend von unseren weiteren Etappen. Ich beginne in Ouarzazate, wo wir am 16. Februar unseren zweiten Tourabschnitt – diesmal mit Solaranhängern – starten.

Mit reger Unterstützung des Personals im Hotel du Vallée in Ouarzazate bauen wir die Solaranhänger zusammen. Jede einzelne Bohrung der von Altec speziell angefertigten Trailer passt, Teile und Schrauben sind alle da. Dennoch dauert die Montage einen halben Tag.

Als wir am Nachmittag zur ersten Proberunde starten,  weht ein heftiger Wind. Der Sand peitscht uns ins Gesicht. Die Fahrradbrillen schützen zwar die Augen etwas aber Sandmännchen hinterlässt ne ordentliche Dosis. Vorbei an den Hollywood Filmstudios von Ouarzazate fahren wir Richtung Norden. Unterwegs werden wir immer wieder angehalten und fotografiert – viele sind neugierig was wir da treiben. Selbst hartgesottene Ralleyfahrer drehen eine Proberunden und können das Grinsen nicht verbergen.

So bleibt die erste Ausfahrt mit den Hängern eher eine Promotionrunde als eine echte Streckenfahrt. Abgesehen von den vielen Aufklärungsstopps wären wir bei diesem Wind mit den vollbepackten Rädern und den Hängern mit zusätzlichen 80kg bzw. 100kg Last nicht wirklich weit gekommen. Die Hänger sind zwar wunderbar leichtläufig aber der starke Gegenwind zehrt extrem an der Reichweite. Für den Fall der Fälle haben wir in den Radnaben des etwas größeren Hängers zwei Ersatzmotoren verbaut, die das höhere Gewicht begründen.

Also beschließen wir, in unser nettes Hotel du Vallée zurückzukehren. Jedoch nicht ohne eine off-road Fotosession vorher. Die Hänger machen alle Fahrten auf Piste und sandigem Geröll wunderbar mit, obwohl sie dafür nicht konzipiert wurden. Die Ladetechnik funktioniert einwandfrei auch wenn sich heute die Sonne durch Sandwolken kämpfen muss. Mit völlig unversehrtem nur etwas eingestaubtem Material werden wir im Hotel freudig und mit vielen Fragen empfangen.

Fahrdaten:
Strecke: In und um Ouarzazate
Tageskilometer: 56km
Akkus: 2x 16Ah volle Ladung
Durchschnittsgeschwindigkeit: 22,1km/h
Motorunterstützung: Stufe 5 (von 10)

26. Februar 2011 von Susanne Brüsch
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Probleme mit der Kommunikationstechnik

Seit 6 Tagen sind wir mit den Solarhängern von Ouarzazete über Foum Zguid nach Guelmim unterwegs. Die Technik bewährt sich im Härtetest: Streckenweise bergauf, zum Teil bei starkem Gegenwind, auf meist miserablem Asphalt, mit etwa 100kg Last. Ein großes Lob für den Antrieb, der problemlos allen Herausforderungen stand hält. Ein technisches Problem liegt im Moment vielmehr bei der Datenübertragung, denn das Ladegerät meines Rechners ist im wahrsten Sinne des Wortes abgeraucht. Vor ein paar Tagen hat sich der Modem-Stick bereits verabschiedet.


22. Februar 2011 von Susanne Brüsch
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Snaky findet Freunde

Vor dem kleinen Laden in Ouarzazate stehen haufenweise alte Fernseher. Innen stapeln sich die Autoradios und alle möglichen anderen technischen Geräte auf dem Boden, Regalen und Tischen. Eine kleine Ecke ist immerhin noch frei zum Arbeiten. Der Inhaber scheint nicht nur mit Reparaturen sondern auch als Friseur sein Geld zu verdienen, denn neben Platinen und Lötkolben liegen Föhne, Scheren und Bürsten. Ein Spiegel und ein alter Friseurstuhl sollten alle Zweifel beseitigen … Das Ganze spielt sich etwa auf 15 Quadratmetern ab. Im Nu hat er unser Batteriekabel wieder an die Display-Platine gelötet und das Problem ist behoben.

Wie schon so mancher hält er uns für Holländer und fragt, wozu das Teil gut ist. Elektroräder? Treten? Er wirft uns einen eher mitleidigen als bewundernden Blick zu … „Crazy Germans” meint er dazu nur und schüttelt den Kopf.

Smail und sein Team vom Targant Souvenir-Shop in OuarzazeteDer Schmuck- und Teppichhändler um die Ecke sieht das ganz anders. Nachdem er in gutem Deutsch, geduldig, ruhig und bestimmt mit uns über Souvenirs verhandelt hat, fährt er gerne mal ne Runde Snaky und lässt sich mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck ablichten.

Wirklich begeistert zeigten sich die Guards unseres netten Hotels du Valée in Ouarzazate, die unser Treiben mit Teilnahme und Interesse verfolgen, uns Tee servieren, und immer ein freundliches „Bonjour“ entgegnen. Die Pool-Terasse im Innenhof ist ein herrlicher Platz zum Schreiben.

Während dessen ist Sebastian mit dem Snaky nach Skoura in die größte Dattelpalmen-Oase Marokkos losgezogen. Bei heftigem Gegenwind am Nachmittag war er voll des Lobes für den Antrieb, ohne den es eine zermürbende Fahrt über schlechten Asphalt gewesen wäre.

Fahrdaten:
Strecke: Ouarzazate > Skoura > Ouarzazate
Gefahrene Kilometer: 168
Akkus: 2 x 576Wh volle Ladung
Reisegeschwindigkeit: ca. 28-38 km/h
Motorunterstützung: Stufe 5 (von 10)

16. Februar 2011 von Susanne Brüsch
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Suche nach der perfekten Düne

Nach einer klaren Nacht, deren Sternenhimmel mit Worten nicht zu beschreiben ist, erwartet uns in Mhamid ein sonniger, warmer Tag. Den komfortablen Lehmbungalow der gepflegten „Sahara Services“ verlassen wir gen Norden und biegen 17 Kilometer später in eine Schotterstraße ein. Falls es die richtige ist, soll sie laut Reiseführer zu einem Dünenfeld führen. Statt Sand sehen wir kilometerweit nur schroffe Gesteinsformationen. Die Piste wird immer felsiger und mit den voll bepackten Rädern schwierig zu fahren.

Schließlich liegt vor uns eine Geröllhalde bis zum Horizont. Wir entledigen uns vorübergehend der Akkus und schieben die Snakys gen Himmel in der Erwartung dass sich die Mühe für ein paar Starshots lohnt. Statt der perfekten Düne finden wir den perfekten Canyon! Hinter dem Felsabbruch erstreckt sich das weite Wüstental, das wir am Tag zuvor passiert haben. Den Hintergrund bildet das Atlas Gebirge. Was für eine Kulisse!

Auf dem Rückweg haben wir die erste Panne. Durch die Vibration haben sich am Gepäckträger Schrauben gelöst und das ganze Ding kippt mit einem Ruck nach hinten ab. Dabei reißt das Kabel, welches den An-und Ausschalter am Lenker mit dem Akku in der Satteltasche verbindet ab. So kommt Snaky auch zu einem Off-Road-Test mit und ohne Antrieb, bei dem das Material an seine Grenzen kommt.

Auf der Schotterpiste stellen die Marathon Extreme Mäntel von Schwalbe einmal mehr ihre Robustheit unter Beweis. Selbst im Sand greifen sie gut und auf dem rauen Asphalt haben sie ebenfalls bewährt.

Zurück an der Hauptstraße sammelt uns Abdou mit seinem Peugeot Kombi auf, den wir zwei Tage zuvor beim Essen kennengelernt haben. An dem Auto, das älter ist als unser 25-jähriger Fahrer selbst, funktioniert nichts mehr richtig, außer vielleicht der Fahrertüre. Um den Kofferaumdeckel offen zu halten steckt er eine Teppichrolle dazwischen. Zum Öffnen sämtlicher Türen und Fenster hat er seine Tricks. Aber das scheint ihn alles nicht zu stören. Er ist – wie beim ersten Treffen – gut drauf und zu jedem Spaß aufgelegt. Dass er allerdings auf dem Weg zurück nach Ouarzazate ein Vorderlicht verliert, schein ihn doch zu beschäftigen. Nächstes Jahr will er sein Taxi los werden und für Tourismusunternehmen als Guide arbeiten.

Kurzer Zwischenstop in Tinzoulin. Hier bewohnt Abdou ein ganzes Haus im einheimischen Lehmstil. Völlig ohne Allüren zeigt er uns jedes Eck. Das Wohnzimmer ist genau so spartanisch eingerichtet wie bei unseren Gastgebern in Zogane. Doch die Wände sind gestrichen und die Decke kunstvoll mit bunten Ornamenten verziert. Die Toilette ist ebenfalls etwas nobler, denn sie ist zum Teil gekachelt. Die Küche besteht aus einem großen, leeren Kühlschrank, einem Gaskocher und einem Lehmofen zum Fladenbrot (Chubs) backen. Über das ganze Haus verstreut liegen in den Ecken Berge von getrockneten Datteln. Andere sind in große Säcke verpackt. Abdou lässt es sich nicht nehmen, einen zu öffnen uns die zu einer klebrigen Masse zusammengedrückten Früchte in die Hand zu drücken. Natürlich nicht ohne den Zusatz „Best quality in Marocco!” Sie sind in der Tat so lecker, dass er uns am besten gleich den ganzen Sack mitgegeben hätte!

Fahrdaten:
Strecke: Mhamid > Richtung Ouarzazate / Piste
Gefahrene Kilometer: 71, teilweise Offroad (ohne Schiebekilometer!)
Akkus: 576Wh volle Ladung, 432Wh ca. halbe Ladung, 10 km ohne Batterie
Reisegeschwindigkeit: ca. 25
Motorunterstützung: Stufe 1-3 von 10

15. Februar 2011 von Susanne Brüsch
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Von Snakys und Kamelen

Wir folgen dem Flusstal weiter nach Süden durch Zagora und einige kleinere Ortschaften. Zwischen den Felsabbrüchen der Canyons erstrecken sich ausgedehnte wüstenartige Ebenen. Hin und wieder Palmen und anderes Gewächs. Nachdem wir den Ort Tagounite passieren, wird die Straße einspurig. Autos begegnen uns nur noch selten. Über dem Asphalt flimmert die Luft. Es ist angenehm warm und ein leichter Wind erfrischt.

Kurz nachdem es die Snakys über die letzte Bergkette vor der Wüste geschafft haben, begegnen uns auch schon die ersten Kamele. Friedlich fressen sie am Straßenrand von den Bäumen. Da ist natürlich eine Fotosession angesagt. Nach gut 100 Kilometern (die letzten 10 mit leerem Akku) kehren wir zum Mittagessen ein. Bei Tagine (Gemüsetopf mit Fleisch), Omlett und Marokkanischem Salat (Tomaten, Paprika, Gurke, Oliven) lassen wir uns Zeit, um die Akkus für die nun folgende Ebene entlang erster orangefarbener Sanddünen zu laden.

Die Straße führt kilometerweit geradeaus Richtung Mhamid, der letzte Ort vor der Algerischen Grenze. Dort endet die Asphaltstraße. Mhamd ist Ausgangspunkt für zahlreiche geführte Touren in die Wüste. Die großen Dünen sind allerdings nur mit Allradfahrzeugen oder Kamelen über eine „Piste“ zu erreichen, für die unsere Fahrräder nicht geeignet sind. Am nächsten Tag wollen wir von der Hauptstraße zurück Richtung Ouazarzate in ein Dünenfeld abbiegen …

Fahrdaten:
Strecke: Zagone > Mhamid nahe der Algerischen Grenze
Gefahrene Kilometer: 136
Akkus: 576Wh volle Ladung, 432Wh ca. halbe Ladung, 10 km ohne Batterie
Reisegeschwindigkeit: ca. 25
Motorunterstützung: Stufe 1-3 von 10

15. Februar 2011 von Susanne Brüsch
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Zu Gast bei Achmed Baki

… Die Türe geht auf. Ein junger Marokkaner begrüßt uns mit freundlichem Lächeln. Auch wenn wir uns sprachlich kaum verständigen können versteht er, dass wir einen Platz zum Schlafen suchen bittet uns sofort herein. Ob das die Herberge ist? Ein kurzer Blick in den großen, spartanisch eingerichteten Raum des Lehmhauses, zu dessen Seiten Frauen und Männer aller Altersgruppen sitzen verrät, dass hier wohl seine Familie wohnt. Mit Gesten, bescheidenem Französisch und ein paar Wörtern Arabisch, mit Blicken und viel Lächeln beginnt für uns ein Abend unbeschreiblicher Gastfreundschaft.

Wir setzen uns zu unseren Gastgebern auf den Boden, bekommen Kissen und eine Decke gereicht. Zwei Jungs ziehen los und kommen später mit Einkaufstüten zurück. Es gibt Kekse und Tee. Wir stellen eine Tüte Datteln dazu, die uns der Wirt vom Mittagessen mitgegeben hat – für die Energie beim Radfahren.

Tee trinken, ist hier – wie in vielen Kulturen – eine Zeremonie für sich. Das Familienoberhaupt, ein sympathischer von der Sonne gegerbter Mann namens Achmed Raki, kocht Wasser auf einem Gaskocher und füllt in Marokko angebauten Grüntee in eine kleine Metallkanne. Ein Riesenzuckerhut wird mit einem Stein in Stücke gehackt von denen ein großes in der Teekanne landet. Das Eingießen geschieht mit gekonnten Schwung, so dass der Tee schäumt. Die ersten Gläser werden wieder in die Kanne zurückgegossen – für die perfekte Mischung aus Tee, Zucker und … Sauerstoff?

Zum Abendessen gibt es Hühnchen mit Karotten aus eigenem Anbau, dazu selber gebackenes Fladenbrot, das sie „Chubs“ nennen. Fladenbrot gehört in Marokko zum täglichen Leben – doch das hier ist besonders dünn und lecker. Mit Stolz zeigt uns Achmeds 25-jähriger Sohn einen Film auf seinem Handy, wie das Brot gebacken wird. (Seine komplette Fotosammlung dürfen wir auch anschauen!) Später führt er uns in die Küche – ein Raum, in dem sich in einer Ecke am Boden lediglich eine kleine Lehmvorrichtung zum Kochen und Backen befindet. Feuer fachen sie aus getrockneten Palmwedeln, Wasser und Mahlzeiten werden in großen Kesseln zubereitet. Chubs backen sie in einem kleinen Lehmofen, der an einen Pizza-Holzofen erinnert, nur viel einfacher.

Zum Essen stellen die Frauen zwei kleine Tische in den Raum, einen für die Männer, einen für sich selbst – Mutter, zwei Töchter und eine Frau mittleren Alters. Gegessen wird mit der rechten Hand. Man nehme ein Stück Brot und greife damit das Essen aus der großen Schale in der Mitte des Tisches. Ich lerne … Es schmeckt fantastisch. Nach dem Essen stellen die Mädchen die Tische weg und die Jungs gehen mit einer Schale, kreisch-pinkfarbener Flüssigseife und einem Kessel warm Wasser herum so dass sich jeder die Hände waschen kann.

Nebenher läuft der Fernseher. Amerikanische Filme, Nachrichten aus Ägypten, Serien … Außer einem großen Schrank, der zur Hälfte mit Teekannen und Kesseln gefüllt ist, steht nichts weiter im Wohnzimmer. Für die Jungs scheint es auch das Schlafzimmer zu sein. Die Mädchen schlafen in einem anderen Raum. Wir haben die Ehre, im Elternschlafzimmer zu übernachten. Am Boden liegen Matten, Kissen und Decken. Ein Bild von Achmed in jungen Jahren. Sonst nichts.

Im Obergeschoss ist eine Stehtoilette, die gleichzeitig auch als Abfluss zum Waschen dient. Mit unglaublicher Aufmerksamkeit steht immer ein Familienmitglied mit einem Eimer warm Wasser bereit wenn es einen von uns in die Nasszelle zieht. Daneben ist ein nach oben offener Raum mit eine Wasserhahn in der Mitte. Insgesamt ein großes Haus, das komplett mit einer Lehm-Stoh-Mischung verputzt ist. Nach irgendwelchen Einrichtungsgegenständen schaut man sich vergeblich um. Sie leben spartanisch und wirken dabei sehr zufrieden.

Achmed ist 70 Jahre alt. Er hat eine Zeit lang in Frankreich gearbeitet. Heute bewirtschaftet die Familie Ackerland außerhalb des Dorfes am Flussufer, wo sie eine Wasserpumpe gebaut haben. Auch die beiden älteren Jungs arbeiten hier. Die Frauen und Mädchen kümmern sich in erster Linie um das heimische Wohl, wie es scheint.

Am nächsten Morgen gibt es Kaffee mit Milch, Kekse, und eine Currysuppe, die ausgezeichnet schmeckt. Eine willkommene Abwechslung zum Nährstoff-freien französischen Frühstück (Baguette, Butter und Marmelade), das man sonst – zumindest als Reisender – überall bekommt. Nach dem Tee rüsten wir zum Aufbruch, doch die Gastfreundschaft geht noch weiter. Es gibt Spagetti mit leichtem Currygeschmack und Olivenöl.

Zum Abschied ist Achmed mit einem Foto einverstanden, die Frauen wollen leider nicht. Die Jungs sind schon auf dem Feld. Ich hätte am liebsten den ganzen Abend Fotos gemacht, von jedem Winkel des Hauses, doch ich fühlte mich mit Zurückhaltung wohler.

15. Februar 2011 von Susanne Brüsch
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Von Hollywood zur Lehmhütte

Von Marokkos Hollywood-Stadt Ouarzazate südlich des Hohen Atlas starten wir bei gefühlten knapp über 0°C unsere erste Ganztages-Etappe im Sattel. Auf dem Weg nach Süden Richtung Wüste überqueren wir mehrere Pässe der allmählich auslaufenden Gebirgskette. Immerhin liegt der höchste Pass auf der Strecke noch auf 1660m Höhe. Die Serpentinenstraße führt uns durch grandiose Berglandschaft und spektakuläre Canyons.

Und wieder ein Pass. Mit geschätzten 6-12% Steigung geht es bergauf. Da kommt die Probe aufs Exempel: Antrieb ausschalten! Das Rad läuft auch dann noch prima aber mit rund 30 Kilo Gepäck (inklusive 2 Batterien) macht das Fahren nicht wirklich Spaß – jedenfalls nicht wenn man sich einmal an die doppelte Wattleistung gewöhnt hat. Dann geht es über die wenig befahrene, zweispurige Straße bergab. Während des Rollens und Bremsens wird der Motor zum Generator und speist Energie in die Batterie zurück (Rekuperation).

Die atemberaubende Bergetappe hinter uns gelassen kehren wir zum Mittagessen ein. Es gibt Gemüse mit Lammfleisch im traditionellen Tontopf (Tagine) auf Holzkohle zubereitet. Zum Nachtisch reicht und der freundliche Wirt Datteln. Die eigenen Akkus wieder aufgeladen geht es weiter. Bald bietet sich ein ganz anderes landschaftliches Bild: Die Straße führt am Fluss Draa entlang, gesäumt von Palmen und einfachen, aus Stein gebauten und mit Lehm verputzten Häusern. Freudliche Menschen in bunten Gewändern winken uns zu und Jungs auf Fahrrädern radeln mit uns um die Wette. Die Abendsonne lässt die imposanten Felswände im Hintergrund glühen. Das Tal will kein Ende nehmen …

Im nächsten Ort locken uns frisch gegrillte Fleisch-Spieße. Ein Einheimischer namens Abdelatif gesellt sich zu uns an den Tisch. Der erste Marokkaner, mit dem wir uns ausführlicher auf Englisch unterhalten können. Die meisten Leute sprechen neben Arabisch auch Französisch – eher mehr als wir. Abdou (wie er sich mit Spitznamen nennt) ist 25, er hat in Ouarzazate die Schauspielkunst erlernt. Heute ist er Taxifahrer, da es mit Jobs nicht gut für ihn aussah. Aber er schauspielert noch immer wenn er Atschai (Tee) eingießt, unsere Namen nachspricht oder von Marokko erzählt. Die Ereignisse in Ägypten sind auch ein Gesprächsthema. Soeben läuft in den Nachrichten, dass Mubarak zurückgetreten ist. Wie die Marokkaner darüber denken? Sie befürworten die Proteste, meint Abdou. Könnte etwas Ähnliches in Marokko geschehen? Nein meint er. In Marokko sind die Leute zufriedener, weil es ihnen besser geht. Sie schätzen ihren König.

Inzwischen ist es dunkel. Wir wollen aber noch bis zu der im Reiseführer empfohlenen Herberge gelangen, die auf der anderen Seite des Flusses im kleinen Dorf Zogane liegen soll. Die Stirnlampen von Varta leisten uns durch den nächtlichen, ansonsten stockdunklen Palmenhain über eine staubige Schotterpiste gute Dienste. Bis auf das Schild “Gite d’Etape” ist weit und breit keine Herberge zu finden.

In einem der wenigen Häuser in denen Licht brennt klopfen wir an die Metalltüre, um nach dem Weg zu fragen …

Nach 172 Kilometern auf dem Rad sind wir müde. Zumal wir nur mit halber Motorkraft gefahren sind, um die Reichweite zu verlängern. Wir haben für die ersten paar Tage jeder 2 Akkus dabei und erstmal die Räder zu testen. Je ein Akku hat 576Wh Leistung (36V x 16Ah) und der zweite 432Wh (36V x 12Ah). Die Solarhänger sind noch im Auto in Ouarzazete. Sie sollen auf dem nächsten Tourabschnitt zum Einsatz kommen.

Wir hören Schritte …

13. Februar 2011 von Susanne Brüsch
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Marrakesch – Lost in the Souks


Von der Autobahn kommend fährt man zunächst durch die Neustadt mit stilvollem Bahnhof, modernen Geschäften (es gibt dort auch einen Apple Store!), edlen Häusern und noblen Cafés. Dann passiert man die ehemalige Stadtmauer und gelangt in die Altstadt, deren buntes Leben der Place Dejamaael Fna dominiert. Hier treffen sich Einheimische, um Märchenerzählern und Musikanten zuzuhören genau so wie Touristen, die sich mit Trommlern, Äffchen und Schlangenbeschwörern fotografieren lassen. Hier reihen sich Dattel- und Obststände aneinander und zu abendlicher Stunde steigt einem der Duft zahlreicher Garküchen in die Nase. Es gibt arabische Köstlichkeiten angefangen von der traditionellen Suppe, über Couscous, Fleischspieße, Gemüse, Oliven, Meeresfrüchte bis hin zu klebrig-süßen Leckereien.

Hier pulsiert das Leben jeden Tag von morgens früh bis abends spät. Eine phantastische Kulisse zum Fotografieren, Bummeln, und arabisches Flair Inhalieren, das wir im sehr westlich wirkenden Nordmarokko vermisst haben. Dafür sind wir in Marrakesch im Hostel „Ali“ mitten drin. Die Dachterrasse der einfachen aber hübschen Unterkunft bietet einen herrlichen Blick auf den zentralen Platz, von dem der Puls der Stadt nach oben dringt. Richtung Süden schweift das Auge über die schneebedeckten teilweise über 4000m hohen Gipfel des Hohen Atlas.

Auf dem Dach lässt es sich wunderbar Atem schöpfen, bevor man sich ins Getümmel der Souks stürzt. Diese sind schmale, von kleinen Geschäften gesäumte Einkaufsgassen, die sich nördlich des zentralen Platzes wie ein Labyrinth verzweigen. Menschenmassen schieben sich durch die schmalen Strässchen und hin und wieder drängt sich ein Rollerfahrer vorbei. Wir sind genau so verrückt aber immerhin stinken die Pedelecs ja nicht! Tücher, Teppiche, Keramik, Kleider, Schuhe, Souveniers und Süßes – hier gibt es alles was das Käuferherz begehrt. Und geschäftstüchtige Händler obendrein!

Wir sind ehrlich gesagt froh, als sich die letzte enge Gasse in eine breitere Straße weitet und wir wieder “Gas geben” können. Einmal rings um die Stadtmauer. Wie wir schon bei der Stadtrundfahrt in Casablanca festgestellt haben, könnten die Snaky-Pedelecs dank des kraftvollen Motors jeden Ampelsprint gewinnen. Sie sind schnell genug (max. 45 km/h) um im Verkehr locker mit zu schwimmen und spritzig genug, um mal eben zu überholen.

11. Februar 2011 von Susanne Brüsch
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Spritztour durch Casablanca

Erster Ride durch Casablanca mit Nikon und Helmcam. Adrenalin!
Hat man sich jedoch an den Verkehr gewöhnt, der auf den ersten Blick chaotisch und ohne Regeln scheint, ist alles easy. Das Rad läuft super, der Motor setzt kraftvoll und absolut gleichmässig ein. Dank der zügigen Beschleunigung hält man beim Anfahren an der Ampel locker mit Autos und Motorrollern mit. Nicht nur das. Selbst im hohen Gang ist man schnell vorne weg. Das macht Lust auf mehr! Nächste Station: Marrakesch

09. Februar 2011 von Susanne Brüsch
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Willkommen in Afrika

Algeciras, 11:57. Der Fährmanager gestikuliert wild durch die Luft und deutet unmissverständlich auf die Uhr. Soll heißen, die Verladung der LKWs, die Schlangenweise am Hafen stehen, soll endlich losgehen. Planmässige Abfahrt: 12:00. Mit einem entschuldigenden Achselzucken kommt er zu uns und meint, “today is a special day”, während das Fährpersonal immer noch einen extrem entspannten Eindruck macht. Erst als ein Sattelauflieger nach dem anderen im Schlund der Fähre verschwindet, werden Ton und Gesten energisch.

Im marokkanischen Tanger angekommen, will es der Grenzpolizist genau wissen: persönliche Details, Sinn und Zweck der Reise, und was sich im Auto befindet. Mit Witz lässt er sich in aller Seelenruhe die Packtaschen vorführen, begutachtet die Fahrradbeleuchtung und meint schließlich, wir seien ja nur zu zweit, ob er die dritte Lampe haben könne …

Über eine top ausgebaute Autobahn fahren wir weiter bis Casablanca. Hier treffen wir endlich auf mehr arabisches Flair und genießen zuckersüßen Tee von gastfreundlichen Menschen. Morgen geht es weiter nach Marrakesch. Nicht nur wir haben uns die Metropole als Shootingkulisse ausgesucht. Auf der Fähre erzählte uns ein Fahrer, dass er einen von mehreren Minis nach Marrakesch transportiert für ein sechs-tägiges Fotoshooting von BMW. Mal sehen, wer die spannenderen Bilder nach Hause bringt… 😉

08. Februar 2011 von Susanne Brüsch
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Berlin – Gibraltar zur Einstimmung

Wir sind unterwegs nach Marokko! Bei unserem zweiten Anlauf für die Tour de Sahara zogen wir das Auto dem Flugzeug vor. Am 6. Februar starteten wir bei üblich grauem Winterwetter von Berlin bzw. von Jena nach Süden.

Erster Zwischenstop: Frankfurt Flughafen. Hier sammelten wir die Lithium-Batterien für die Räder wieder ein, die schon als Gefahrgut per Luftfracht nach Ägypten verschickt waren und auf halbem Weg wieder zurückgeholt wurden. Da stehen sie – drei riesige Stahlfässer – in der Einfahrt des Speditionslagers, wohl verschraubt und ordnungsgemäß beklebt mit Hinweisen auf Gefahrgut der Klasse 9. Sebastian muss sich erstmal eine Weile durch das Styropor wühlen, das die Fässer füllt, bevor eine Batterie zum Vorschein kommt!

Hier ein Hinweis für alle, die auch gerne eine Flugreise mit Elektrorädern unternehmen möchten: Normalerweise sollten die Batterien in kommerziell erhältlichen Elektrorädern ein UN-T Zertifikat haben. Dann müssen sie zwar auch als Gefahrgut versandt werden aber statt in Metallbehältern in speziellen Kartons.

Unsere Batterien für die Snaky-Prototypen haben kein UN-T Zertifikat, was den Versand deutlich aufwändiger macht. Doch dank des Einsatzes mehrerer Experten hatten wir in relativ kurzer Zeit eine Ausnahmegenehmigung des Luftfahrtbundesamtes, von Fachleuten ausgestellte Versandpapiere, die korrekte Verpackung und Beklebung und eine Gefahrgut-erfahrene Spedition. Statt Stahlfässern würde man sonst wegen des Gewichts Aluminiumbehälter verwenden, doch diese sind Sonderanfertigungen und wir wären wohl jetzt noch in Deutschland. Glücklicherweise stellte uns die Firma Li-Tec die Stahlfässer leihweise zur Verfügung. Danke Tim!

Nach inzwischen fast 3000 Autokilometern setzen wir am 7. Februar mit der Fähre von Algeciras über die Straße von Gibraltar nach Marokko über.

06. Februar 2011 von Susanne Brüsch
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